gamesTM: Im Blätterwald nichts Neues

2008 März 11
by Stargazer

Da ich gestern ja voll vom „Notfallplan“ der Bahn erwischt wurde, hatte ich ein wenig freie Zeit, um mir das recht neue Spielemagazin gamesTM anzuschauen. So weit ich informiert bin, gibt es „Das unabhängige MULTIFORMAT-Magazin“ erst seit ein paar Ausgaben. Ich finde es immer wieder interessant, dass trotz der schweren Lage für Printmagazine immer wieder Verlage neue Spielemagazine auf den Markt werfen. Hin und wieder hoffe ich darauf ein ähnlich gutes Magazin wie seinerzeit „PC Player“ in Händen zu halten. Ein solches Magazin ist gamesTM leider nicht.
GamesTM deckt alle gängigen Spieleplatformen ab. Das ist an sich nicht schlecht, da ich z.B. neben meinem PC noch eine PS1, PS2, Xbox, Xbox 360, eine PSP und sogar einen Gameboy Advanced mein Eigen nenne. Leider ist der Umfang des Heftes doch sehr gering. Im Vergleich zu einer GameStar oder PC Games wirkt das gamesTM-Heft wie eine dünne Broschüre. Ein geringer Trost ist dabei die als weniger aufdringlich empfundene Werbung. Wahrscheinlich hat gamesTM aber auch noch weniger Werbekunden als die Konkurrenz. In der aktuellen Ausgabe 04 werden dann auch gleich zwei „Erwachsenen“-Themen angeschnitten: ein Report über Sexualität in Computerspielen und Probleme mit der USK am Beispiel „Rainbow Six Vegas 2″. Die auf dem Titelblatt angekündigte Analyse ist nicht etwa ein eigenständiger Artikel, sondern ein Absatz im Preview zum Spiel. Und auch dort werden klassische Fehler gemacht. So ist keine Jugendfreigabe in Deutschland kein Verkaufsverbot, wie behauptet. Den selben Status haben z.B. sämtliche Games, die der USK nie vorgelegt wurden, z.B. oft engl. Sprachversionen der Spiele. Und diese kann man trotzdem bequem im Versandhandel legal bestellen. Der Artikel „Jetzt wird’s dreckig“ ist glücklicherweise nicht so peinlich, wie der reißerische Titel, aber leider erfährt man nichts Neues. Meine Hoffnung, endlich ein Magazin für das erwachsenere Publikum gefunden zu haben, hatte sich ja an dieser Stelle schon zerschlagen. Peinlich ist auch, dass dem Leser in einem Interview mit dem ehem. Atari-Mitarbeiter Howard Scott Warshaw die Begriffe Tabellenkalkulation und Apple in Anmerkungen der Redaktion erklärt werden. Gerade letzteres ist mehr als peinlich, denn nur jemand, der die letzten 30 Jahre in einem Erdloch verbracht hat, kennt Apple Computers nicht. Gerade Leser eines Spielemagazins kann doch soviel Allgemeinwissen zugetraut werden, oder?
Der Rest des Magazins ist leider auch nicht besser. Die Artikel sind oft sehr kurz, schlecht recherchiert und rechtfertigen den Preis von 3,80€ für ein dünnes Magazin ohne jegliche DVD-Beilage nicht. Im Vergleich dazu kostet eine wesentlich dickere GameStar mit 2 DVD (inkl. 2 Spiele-Vollversionen) gerade mal 2,19€ mehr. Zugegeben, die GameStar berichtet nur über PC-Spiele, aber das ist hier nicht der Punkt. Insgesamt kann gamesTM leider nicht überzeugen. Wahrscheinlich wird sich das Magazin in Kürze stark verändern müssen oder vom Markt verschwinden. Schade, da hätte man mehr draus machen können…

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