Ich war gestern im Kino…
… und verließ den Kinosaal mit dem Gefühl, gerade ein paar Euro verschwendet zu haben. „Der Goldene Kompass“, die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Philip Pullman hat einiges richtig gemacht, aber leider auch sehr vieles falsch. Da, ich schon mal über den Film und das Buch berichtet hatte, möchte ich an dieser Stelle auch nur auf meine Kritikpunkte eingehen. Das Gute zuerst: die Schauspieler wurden gut ausgewählt und gaben sich auch im Allgemeinen viel Mühe aus dem schlechten Skript noch etwas herauszuholen. Der Bond-Darsteller Daniel Craig war ein würdiger Lord Asriel und Nicole Kidman war eine herrlich böse Mrs. Coulter. Auch die Darstellerin der Lyra Belaqua hat ihre Sache gut gemacht.
Die Spezialeffekte waren ok und besonders die Dämonen der Kinder haben mir gut gefallen. Teilweise wirkte die Technologie in der Parallelwelt etwas fortschrittlicher, als ich sie mir vorgestellt hätte, aber im Kontext des Filmes hat es gut funktioniert. Kommen wir nun zum Schlechten: insgesamt wirkte der Film abgehackt und gehetzt. Anstatt, dass man sich die Zeit genommen hat, die Geheimnisse langsam aufzudecken, so dass der Zuschauer (genau wie Lyra im Buch) nach und nach die Zusammenhänge erkennt, geht man im Film nach der Holzhammermethode vor. Meistens bekommt man die Informationen über den „Staub“, die Gobbler usw. in einer aufgesetzt wirkenden Dialogszene präsentiert, in der zwar fast direkte Buchzitate verwendet werden, aber anderen Personen als im Buch in den Mund gelegt werden. Insgesamt wurden viele Details verdreht, weggelassen oder schlicht falsch dargestellt. Es ist mir immer noch ein Rätsel, warum man dieses Buch verfilmen wollte, wenn man ganz offensichtlich die Religionskritik des Originals so nicht darstellen will. Das Magisterium ist nämlich keine totalitäre Regierung, sondern die Kirche und „The Authority“ ist nicht einfach nur die Obrigkeit (wie in der deutschen Synchronfassung), sondern Gott. Vieles, was die „Magie“ von Lyra’s Welt ausmacht, wurde durch die Verkürzungen einfach nicht deutlich und die Verfilmung wirkt dadurch wie eine simple Fantasystory. Bis auf ein paar dramatische Szenen gegen Ende des Films ist „Der Goldene Kompass“ einfach nur langweilig. Der Zuschauer wird von Enthüllung zu Enthüllung gehetzt und hat keine Zeit sich auf die Welt und die Charaktere einzulassen. Der größte Knüller ist jedoch das Ende. Anstatt das Ende des Buches zu zeigen, wo Lord Asriel Lyras Freund opfert, um ein Tor in eine andere Welt zu öffnen und offenbart wird, dass Asriel und Mrs. Coulter die ganze Zeit gemeinsam gegen das Magisterium gearbeitet haben, sieht man Lee Scoresby’s Luftschiff langsam in den Sonnenaufgang entschweben…
Achja, was hat eigentlich Christopher Lee bewogen, in diesem Film, eine völlig unbedeutende Nebenrolle zu spielen? Und was hat man eigentlich mit den 200 Mio. US-$ Produktionskosten gemacht? Ins Drehbuch ist sicher nicht viel davon geflossen. Schade. „Der Goldene Kompass“ hätte ein wirklich schöner Fantasy-Film werden können. Ich bin mir auch fast sicher, dass uns nach diesem Debakel die beiden anderen Teile erspart bleiben. Vielleicht erbarmt sich in ein paar Jahren ja mal jemand und macht eine gute Verfilmung des Stoffes von Philip Pullman. Beim „Herrn der Ringe“ führte ja auch der zweite Anlauf zum Erfolg.



