Die Öffentlich-Rechtlichen und die Killerspiele

2007 November 29
by Stargazer

Nachdem es wieder etwas ruhig geworden ist, fordert heute wieder mal jemand das Verbot von Killerspielen. Um das nochmal klarzustellen: viele Spiele gehören zu recht nicht in Kinderhände. Ein generelles Verbot kommt aber nicht dem Jugendschutz zugute, sondern stellt eine Zensur dar. Man schießt also massiv über das Ziel hinaus. Ein großes Problem ist sicher auch, dass die meisten Politiker und viele Fernsehzuschauer keine Erfahrungen mit Computerspielen haben, sondern selbsternannten Experten oder den Berichten im Fernsehen glauben. Doch gerade in diesem Bereich wird schlecht recherchiert, geschlampt und verfälscht. Über Spreeblick habe ich dieses interessante Video entdeckt, welches einige der Fehler bei “Frontal21″, “panorama” usw. aufdeckt.

Update: Auf sueddeutsche.de gibt es jetzt ein Interview mit dem Macher dieses Videos. Sehr interessant!

3 Responses leave one →
  1. 2007 November 30

    Zunächst einmal fällt die mäßige bis sehr schlechte Recherche auf, die den in dem Video kritisierten Berichten ebenso zu Grunde liegt, wie den Forderungen der Politiker (und wir wollen jetzt nicht unterstellen, dass auch in anderen Bereichen ähnlich schludrig gearbeitet wird, oder ;) ?).
    Was aber noch bedenklicher ist, ist der grundsätzliche Trugschluss, der der ganzen Diskussion zugrunde liegt: Killerspiele, so wird behauptet, seien die, oder zumindest eine, URSACHE der Amokläufe. Tatsächlich aber interessierten sich wohl dieselben Personen auch für Gewaltvideos, gewaltverherrlichende Musiktexte und vieles mehr, was generell mit dem diesem Themenbereich zu tun hatte. Die sogenannten “Killerspiele” sind also ein Symptom – nämlich dieses Interessengebietes Gewalt – und nicht die Ursache desselben. Killerspiele zu verbieten hätte demnach einen ähnlichen Effekt wie einem erkälteten Menschen das Husten zu verbieten: Gar keinen. Auch wenn man Husten verbietet, bleibt die Erkältung an sich unbehandelt und auch wenn man Killerspiele verbietet, bleibt das Grundinteresse des Betreffenden an ähnlich gelagerten Freizeitaktivitäten und Angeboten bestehen. Ganz unabhängig davon, ob man es nun für richtig oder falsch hält, was in bestimmten Spielen passiert oder nicht passiert – wenn es um das Ziel geht, Amokläufe Jugendlicher zu verhindern, wird ein Verbot von Computerspielen völlig wirkungslos bleiben. (Ganz abgesehen davon, dass verbotene Spiele wohl eher interessanter werden und dann eben, illegal, aber doch sicher recht problemlos, aus dem Internet heruntergeladen werden dürften.) Wichtiger wäre, die Gründe für die Gewaltbereitschaft Jugendlicher aufzudecken, die Ursachen, die Motivationen – um hier gezielt einzuschreiten. Aber dazu wären keine kurzfristigen (und kostengünstigen) Verbotsforderungen nötig, sondern langfristige (und teure) Maßnahmen wie die Einstellung von viel mehr Schulpsychologen und Sozialpädagogen, mehr Jugendarbeit und nicht zuletzt auch Forschung in diesem Bereich. Und das ist, verständlicherweise, nicht halb so medienwirksam wie der empörte Ausruf “verbietet XY”, um politische Aktivität zu demonstrieren.
    Aber, wenn wir schon einmal bei Verboten sind: Wer redet eigentlich von den Waffen, die die Jugendlichen ja irgendwoher gehabt haben müssen? Mit einer Computerspielschachtel ist noch niemals jemand erschossen worden …

  2. 2007 Dezember 1
    akrem permalink

    lächerlich… da dreht kein kind durch weil sich niemand darum gekümmert hat und dann schiebt man das problem auf irgentwelche computerspiele…

  3. 2007 Dezember 12

    @akrem: Du meinst wohl “…da dreht kein kind durch…”, oder?

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