Mikrowellensyndrom
2007 Mai 4
Auf Spiegel Online habe ich einen Artikel über Menschen gefunden, die glauben durch Mobilfunkmasten in ihrer Umgebung krank geworden zu sein. Die beschriebenen Symptome könnten tausende Gründe haben, aber natürlich sind die bösen, bösen Handystrahlen dran schuld.
Dr. med. Waldmann-Selsam betrachtet den Fall Bücher als einen der stärksten Belege für das Krankheitsbild, das sie im Umfeld der Mobilfunksender entdeckt hat. Sie nennt es “Mikrowellensyndrom”. Darunter fällt so gut wie alles außer der Malaria. Das sei eben das Perfide an der Strahlung; in schlimmen Fällen komme es so weit, “dass der ganze Körper vibriert und brummt”.
Quelle: Spiegel Online




Mich persönlich erinnert diese Debatte ein wenig an das, was in Lexika über die Anfänge der Dampfeisenbahn zu lesen steht: Weil man sich sorgte, dass ein vorübersausender Zug (der damals mit der wahnwitzigen Spitzengeschwindigkeit von etwa 30 km/h fuhr
) negative Auswirkungen haben könnte, mussten vor seinem Vorüberfahren Menschen mit roten Fähnchen alle Anlieger warnen. Kühe z.B. hätten sonst am Ende keine Milch mehr gegeben, wenn man sie nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hätte und Zugreisende klagten über den fürchterlichen Stress, denn die (immer noch mit 30 km/h) dahinjagenden Bilder der Landschaft auslösten, man wagte kaum aus dem Fenster zu sehen.
Heute grast das liebe Vieh friedlich neben dem Bahndamm und die Reisenden blicken seelenruhig aus dem Fenster des vorbeizischenden ICE hinüber – und niemand hegt mehr auch nur die geringsten Bedenken deswegen.
Es wäre faszinierend zu lesen, was die Menschen in 100 Jahren über die Handy-Strahlen-Debatte in ihren Lexika so schreiben …